Preisverleihung 2009

Laudationes für die Preisträger


Katja Becker

Als Preisträgerin nenne ich Frau Katja Becker,die von Herrn Prof. Lang vorgeschlagen wurde. Da sie seit August zu einem Studienaufenthalt in Kanada weilt, wird Ihre Verwandtschaft den Preis entgegennehmen.

Frau Becker hat im Wintersemester 2006/07 das Studium im Bachelorstudiengang Biotechnologie an der TU Braunschweig aufgenommen und es im Sommersemester 2009 nach knapp 3 Jahren überaus erfolgreich als beste ihres Jahrgangs mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen. Bei ihren ersten wissenschaftlichen Experimenten, d. h. in der Bachelorarbeit, befasste sie sich mit der Produktion von Antikörpern in Bakterien.

Die Biotechnologie- Verantwortlichen haben sich sehr gefreut, dass eine solch leistungsstarke Frau nun im Masterstudiengang Biotechnologie an unserer Universität ihr Studium fortsetzt. Das erste Master- Jahr verbringt sie, wie schon am Anfang erwähnt, in Kanada an der University of Waterloo und hat dort viele Module belegt, die ihr hier selbstverständlich anerkannt werden.

Frau Becker verfügt, wie man an ihren Zeugnissen ablesen kann, über ein überdurchschnittliches Leistungspotential. Dies hat sie in den vergangenen zwei Jahren auch dahingehend genutzt, dass sie den Kommilitoninnen und Kommilitonen im ersten bzw. zweiten Fachsemester als Tutorin geholfen hat, die "Mathematischen Methoden der Chemie bzw. Biotechnologie" besser zu verstehen. Auch bei der Einführung in den Umgang mit Microsoft Excel anhand von biotechnologischen Fragestellungen hatte sie viele Kursteilnehmer.

Darüber hinaus zeigt Frau Becker ein starkes Engagement in der bundesweit wirkenden Biotechnologischen Studenteninitiative e.V. So hat sie, z.B. im November 2008 die Jahreshauptversammlung organisiert und für die Braunschweiger Gruppe Exkursionen zu Firmen der biotechnologischen Klein- u. mittleren Industrie vorbereitet und durchgeführt.

Frau Katja Becker ist eine sehr sympathische, verantwortungsbewusste, engagierte und fachlich sehr kompetente Studentin, die auch über ihr Semester hinaus von Kommilitoninnen und Kommilitonen sehr geschätzt wird.

Stefan Gelhorn

Auf Anregung von Herrn Prof. Reimers erhält Herr Stefan Gelhon den Braunschweiger Bürgerpreis.

Wenn man einer Studentin oder einem Studenten der Medienwissenschaften die Frage nach dem populärsten Kommilitonen stellt, so gibt es nur eine Antwort: Stefan Gelhorn -Preisträger des heutigen Abends. Man möchte glauben, seine Popularität sei vielleicht ein Resultat der Tatsache, dass er die coolsten Partys veranstaltet oder den größten Erfolg bei den Prüfungen hat, aber der Grund seiner Popularität ist ein anderer. Stefan Gelhorn ist so populär, weil er sich mit ungeheurer Intensität für seine Mit-Studierenden und für den Studiengang Medienwissenschaften engagiert.

Für viele von Ihnen sind die Medienwissenschaften in Braunschweig möglicherweise eine noch ziemlich unbekannte Größe. Wer allerdings die Campus-Seite der Braunschweiger Zeitung aufschlägt, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass die Medienwissenschaften sogar ein zentraler Studiengang der Hochschulen Braunschweigs sind. Ja, Sie haben richtig gehört, es ist ein gemeinsamer Studiengang der Hochschule für Bildende Künste und der Technischen Universität. Gegründet wurde er zum Wintersemester 1997/1998 und ist damit bereits ein Dutzend Jahre alt. Auch dieser Studiengang hat die Umstellung auf das Bachelor-Master-System erlebt, und Stefan Gelhorn gehört zur Bachelor-Pionier-Generation. Als Pionier hat man es nicht immer leicht, und umso mehr ist zu bewundern, dass die auf seinem Zeugnis zu findenden Noten nahezu komplett im Einser-Bereich angesiedelt sind. Die Medienwissenschaften in Braunschweig sind nicht nur durch die Kooperation zweier Hochschulen etwas ganz Besonderes, sondern auch wegen der starken Position der Fächergruppe "Technik der Medien". Wann immer der Preisträger zu einer Technikprüfung antrat, schnitt er mit Bestnoten ab.

Was Stefan Gelhorn über ebenfalls sehr gute Mit-Studierende hinaus hebt, ist sein Engagement bei der Betreuung seiner Kommilitoninnen und Kommilitonen. So hat er etwa ein Dutzend Tutoriums-Veranstaltungen für andere Studierende angeboten, in denen er ohne jede Vergütung das von ihm in den Fächern der Technik der Medien erworbene Wissen weitergegeben hat. Solche Tutorien hat er zum Beispiel für die Vorlesungen "Mathematik für Medienwissenschaften", "Algorithmen und Programme" und "Aktuelle Systeme für die Elektronischen Medien" durchgeführt. Schließlich darf bei der Würdigung der Leistungen von Herrn Gelhorn nicht unerwähnt bleiben, dass er in seiner Funktion als Pionier eines neuen Studienganges den Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern immer wieder konstruktives Feedback und vielfältige Verbesserungsvorschläge für die Gestaltung des Bachelor-Studienganges liefert. Stefan Gelhorn klagt nicht, Stefan Gelhorn bemüht sich um Verbesserungen.

Carolin Hintersdorf

Auf Vorschlag von Herrn Prof. Wanninger wird der diesjährige Braunschweiger Bürgerpreis auch an Frau Carolin Hintersdorf verliehen. Sie ist Studierende des Bauingenieurwesens im 6. Semester. Sie hat ihr Vordiplom in der kürzestmöglichen Zeit und mit der Note "sehr gut" abgeschlossen; ihre bisherigen Leistungen im anschließenden Hauptstudium sind ebenfalls ganz herausragend und lassen einen zukünftigen Studienabschluss mit der Note "mit Auszeichnung" erwarten. Frau Hintersdorf hat alle Studienleistungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt erbracht. Bemerkenswert am Leistungsbild ist, dass dieses sich in allen Fachrichtungen des Studiums als gleichermaßen "sehr gut" darstellt.

Frau Hintersdorf ist eine aufgeschlossene und lebhafte junge Frau, die im persönlichen Kontakt sehr offen wirkt, gleichzeitig aber auch erkennen lässt, dass sie das Studium ernst nimmt und keine Zeit vergeuden möchte. Sie ist in Lehrveranstaltungen durch ihre gespannte Aufmerksamkeit aufgefallen und hat in Gesprächen durch ihr zielstrebiges und engagiertes Verhalten sowie ihre Pläne beeindruckt.

Frau Hintersdorf sieht ihre berufliche Zukunft im Bereich des Konstruktiven Ingenieurbaus. Es bestehen keine Zweifel, dass sie sich dort zielstrebig und dennoch menschlich angenehm durchsetzen wird. Während ihres bisherigen Studiums war sie als studentische Hilfskraft in der Mathematik tätig. Zur Zeit arbeitet sie neben dem Studium als studentische Hilfskraft in einem renommierten Ingenieurbüro der Tragwerksplanung, und nicht zuletzt hierbei hat sie ihre fachliche Neigung zum Konstruktiven Ingenieurbau entdeckt.

Außerhalb ihres Studiums ist Frau Hintersdorf in der Evangelischen Studentengemeinde im Chor aktiv; sie spielt Klavier und Gitarre. Die herausragende Begabung von Frau Hintersdorf trat bereits während ihrer Schulzeit zutage. Seit Studienbeginn wird sie von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert. Dies mag bereits ein hinreichender Nachweis ihrer besonderen Begabung sein. Ihre Studienerfolge beweisen, dass die frühe Förderung überaus berechtigt war.

Eileen Kwiecinski

Es ist mir eine Freude, Ihnen Frau Eileen Kwiecinski, vorzustellen, die von Herrn Prof. Mehrtens für den Braunschweiger Bürgerpreis vorgeschlagen wurde. Sie ist Studierende im Masterstudiengang "Kultur der technisch-wissenschaftlichen Welt" der Fakultät 6 für Geistes und Erziehungswissenschaften mit dem fachlichen Schwerpunkt Geschichte; ihr Zweitfach im Bachelorstudium war Anglistik.

Frau Kwiecinski hat im Studium herausragende Leistungen erbracht. Ein ganz besonderer Fall ist ihre Bachelorarbeit "Aspekte einer Kulturgeschichte der Raumf√§hre Challenger", die sie im Sommersemester 2008 fertigte. Es geht darin um die sich aus der Explosion der Raumfähre unmittelbar nach dem Start ergebende Erinnerungskultur in den USA. Sie hat dafür intensiv zur Sache recherchiert und sich die Theorien zu Erinnerung und Gedächtnis sowie zur Funktion und Psychologie des Witzes erarbeitet und diese souverän angewandt. Ihre Entdeckung der "sick jokes" über die Challengerkatastrophe und ihre Interpretation als Teil der Erinnerungskultur sind höchst originell. In der theoretischen Literatur zu Gedächtnis und Erinnerung kommen Witze und ihre Funktion bisher nicht vor. Sie ist damit zur deutsch-britischen Konferenz "Myths, Gender, and the Military Conquest of Air and Sea" in diesem Frühjahr an der Universität Oldenburg eingeladen worden und hat dort in englischer Sprache einen Vortrag zum Thema Challenger gehalten, der große Anerkennung gefunden hat und für die Publikation ausgewählter Beiträge vorgesehen ist.

Von ihren durchweg sehr guten Studienarbeiten sei nur eine auch im Layout der Illustrationen ausgezeichnete Arbeit zu nennen, das Ergebnis eines Projekts im Fach Geschichte, eine Broschüre über die Bedeutung des Fahrrads in der Frauenemanzipation am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.

Frau Kwiecinski war auch in der studentischen Selbstverwaltung engagiert, sie war im Fachgruppenrat Geschichte tätig und hat als studentische Vertreterin an Kommissionen des Seminars und der Fakultät teilgenommen. Als Hilfskraft war und ist sie in der Bibliothek des Historischen Seminars und in anderen Funktionen tätig.

Nachdrücklich möchte ich auch auf das vielseitige Engagement von Frau Kwiecinski innerhalb und außerhalb der Universität hinweisen. Seit ihrer Schulzeit und bis heute ist sie ehrenamtlich am Mehrgenerationenzentrum (ehemals SOS Mütterhaus) in Salzgitter tätig und gibt dort u. a. Englischunterricht für Kinder im Vorschulalter und Senioren. Sie ist dafür mit einem niedersächsischen Preis für Tätigkeiten im Ehrenamt ausgezeichnet worden. Frau Kwiecinski hat zudem ein Jahr lang redaktionell verantwortlich die Braunschweiger Kulturzeitschrift "Szenes" herausgegeben. Das hat sie zwei Semester gekostet; es sind also auch die sehr guten Studierenden, die länger als die vorgesehene Studienzeit brauchen.

Eyleen Sarah Mund

Als Preisträgerin des heutigen Abends stelle ich Ihnen Frau Eyleen Sara Mund vor. Sie wurde von Herrn Prof. Löwen vorgeschlagen.

Frau Mund hat ein sogenanntes internationales Abitur in England erworben, nachdem sie dort zwei Jahre zur Schule gegangen war. Danach hat sie ein einjähriges Praktikum beim DLR absolviert und über Minimalflächen, zum Beispiel in Bienenwaben, gearbeitet. Daraus resultiert eine Beteiligung an einem Patent. Danach wollte sie ein Studium in Berlin aufnehmen, aber ihr "internationales" Abitur aus England wurde nicht anerkannt, mit der absurden Begründung, dass es ihre Englischkenntnisse nicht nachweise. Deshalb ging sie für ein Jahr in die Schweiz nach Neuchätel, studierte dort Mathematik und lernte nebenbei Französisch. Dadurch wurde der Mangel des Abiturzeugnisses in den Augen der Bürokraten geheilt. Ihr Studium setzt sie in Braunschweig fort.

Herr Prof. Löwen hatte Frau Mund in seiner Funktion als Studiendekan kennengelernt und war von ihrer kraftvollen geistigen Präsenz beeindruckt. Im Gespräch erfuhr er, dass ihr die in England gepflegte Kunst des Glockenläutens, das change ringing, bekannt war. Dabei werden einige Glocken nacheinander in jeder denkbaren Reihenfolge angeschlagen, wobei aus praktischen Gründen noch einige zusätzliche Regeln erfüllt sein müssen. Er schlug ihr vor, über den mathematischen Hintergrund dieser uralten Tradition einen Proseminarvortrag zu halten. Hieraus wurde eine intensive Beschäftigung mit der Thematik, die sich über die ganze Dauer des Bachelorstudiums hinzog und schließlich zu einer in Inhalt und Darstellung herausragenden Arbeit führte , mit der Frau Mund im vergangenen Sommer ihr Bachelorstudium abschloss, und die sie zur Zeit für die Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift in eine noch straffere Form bringt. Trotz der widrigen Umstände zu Beginn hat Frau Mund ihr Studium dank ihres enormen Elans und eines gewaltigen Arbeitspensums in beeindruckend kurzer Zeit und mit sehr gutem Ergebnis abgeschlossen. Für ihr Masterstudium ist sie nach reiflicher Überlegung der Mathematik an der TU Braunschweig treu geblieben.

Zu den persönlichen Leidenschaften, die Frau Mund in ihrer Freizeit pflegt, gehören die Musik, sie spielt Fagott, sowie Sprachen, zum Beispiel Russisch, schließlich Jonglieren und Einradfahren. Die letztgenannten Künste bringt sie auch in ihr umfangreiches soziales Engagement ein; sie macht mit Freunden Zirkusveranstaltungen für die Kinder in Grundschulen und leitet sie dabei auch zu eigenem Tun an (etwas zum Seiltanzen). Über Jahre war sie intensiv in einer Gruppe tätig, die eine Grundschule und ein Waisenhaus in Liberia unterstützt, indem sie durch die verschiedensten kreativen Aktivitäten Geldmittel aufbringt. Außerdem ist sie in der Fachgruppe und im Studierendenparlament tätig und betreut für den Asta die Finanzen des Unisports. Man staunt, was alles in ein einziges Leben hineinpasst, aber Frau Mund sagt dazu, dass sie die anderen Aktivitäten braucht, um ihr eigentliches Vorhaben, das Studium, zu meistern.

Stephan Wenger

Mit Herrn Stephan Wenger erhält ein herausragender Student mit breitgefächerten akademischen und gesellschaftlichen Interessen den diesjährigen Bürgerpreis. Er wurde von Herrn Prof. Magnor vorgeschlagen.

Herr Wenger studiert parallel zwei eigenständige Diplom-Studiengänge; er ist sowohl für Informatik als auch für Physik eingeschrieben. Beide Studiengänge wird er aller Voraussicht nach noch in diesem, seinem 9. Fachsemester sehr erfolgreich abschließen. Im Rahmen seines Studiums hat Herr Wenger mehrmonatige Auslandsaufenthalte in der Schweiz, in Mexiko und den USA verbracht. Sein Studium wird von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Herr Wenger stammt aus Salzgitter.

In seiner Diplomarbeit im Fach Informatik hat Herr Wenger gemeinsam mit Astrophysikern aus Mexiko ein Verfahren entwickelt, um anhand von Bildbeobachtungen einer bestimmten Klasse von astronomischen Nebeln, sogenannten Planetarischen Nebeln, die individuelle dreidimensionale Struktur der Nebel ermitteln zu können. Für seine Diplomarbeit im Fach Physik hat Herr Wenger zusammen mit US-amerikanischen Wissenschaftlern am VLA-Radioteleskop einen neuartigen Algorithmus erforscht, der es ermöglicht, Radiokarten sowohl schneller als auch von verbesserter Qualität zu erzeugen.

Die wissenschaftlichen Beiträge von Herrn Wenger haben bereits zu zwei Publikationen auf international angesehenen wissenschaftlichen Konferenzen geführt, deren Erstautor jeweils Herr Wenger ist. Ein weiteres Manuskript für die renommierte Fachzeitschrift "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" befindet sich zur Zeit im Evaluationsprozess.

Neben seiner intellektuellen Begabung ist Herr Wenger sehr musikalisch, er spielt E-Gitarre in einer Band, sowie Schlagzeug und Klavier. Er spricht fließend Englisch und Französisch sowie Spanisch und findet auch noch Zeit, sich für Russisch und Japanisch zu interessieren.

Für seine weitere wissenschaftliche Laufbahn hat sich Herr Wenger entschlossen, trotz attraktiver anderer Angebote, u. a. vom Max-Planck-Institut für Informatik, seiner alma mater treu zu bleiben; Herr Wenger wird im Januar am Institut für Computergraphik mit seiner Promotion beginnen.